Hilfe, der Wald kommt!

Von Thomas Starke-Schulus.
Der Bürgermeister Johann Keller steht auf der steilen Wiese, die Hände in die Hüfte und zeigt uns seinen Feind. Da, von allen Seiten greift er an. Der Feind ist der Wald. Tatort ist eine kleine Gemeinde im Schwarzwald, Bad Peterstal-Griesbach. Seit Jahren schon beobachtet der Bürgermeister der kleinen Gemeinde die Vermehrung des Waldes. Langsam hat er Angst, denn zu viel Wald ist auch nicht gut.
Die Wiesen rings um das Dorf sind steil, an manchen Abschnitten bis zu 50 Prozent. Die Bauern mähen die Wiesen dort noch mit der Hand, doch viele haben dies längst aufgegeben. Warum auch die Mühe machen? Kühe können auf den Weiden nicht grasen, die Bauern sind die Wiesen zu steil. Also lässt man Gras wachsen, den Rest übernimmt dann der Wald. Jahr um Jahr wird die Waldfläche größer und somit die Angst vom Bürgermeister aus Bad Peterstal-Griesbach. Die konventionelle Landwirtschaft bringe nichts, so argumentieren die zahlreichen Landwirte rings um den Ort. Stattdessen verlässt man sich auf die Baumwirtschaft,, zu Weihnachten immerhin ein sicheres Geschäft. Viele Landwirte haben bereits vor über 50 Jahren neue Baumplanatagen gesetzt, die Ernte fährt die heutige Generation ein. Mit Faulheit habe dies nichts zu tun, denn wer steht morgens noch um 4 auf, um den Hof zu versorgen um dann zur Arbeit zu fahren?
Der Bürgermeister schüttelt dabei den Kopf, er holt Zahlen und Statistiken hervor und zeigt, dass von den 4000 Hektar, die zu seiner Gemeinde gehören mittlerweile 3292 Hektar Wald sind. Das mach satte 80 Prozent. Ganz zu schweigen vom Tourismus. Welcher Urlauber möchte schon bewaldetet Hänge sehen? Die Wanderer wollen über Wiesen gehen, die Kühe beobachten und sich ihren Weg nicht durch ein Dschungel voller Wälder bahnen.
Deshalb hat Keller jetzt die Paragrafenkelle herausgeholt, eine Nichtaufforstungssatzung
soll her. Die letzten Sätze werden noch formuliert, dann kann es verabschiedet werden und das Waldvermehren endlich aufhören. So plant er.
Seine Untertanen halten das für Unsinn. Der Wald ist unsere Zukunft, unser Kapital. So ertönt es überall von den Höfen. Das Gesetz sei sinnlos. Man fürchtet um die Existenz, wenn festgelegt werden müsste, wie viel Wald eigentlich gut tut. Den Touristen sei es schließlich egal, ob man nun eine Wiese oder einen Wald vor sich habe. Das ist denen am Ende doch egal. Doch Keller bleibt hart, er weiß es doch besser. Mit Sorge denkt er an den nächsten Sturm, der ganze Schneisen durch die Wälder ziehen wird. Äste schleudern durch die Luft, Bäume fallen auf Häuser. Schlimm sei das doch. Doch so schlimm kann es nicht sein, er schaut sich um und überlegt. Nun ein Sturm würde natürlich Schneisen durch unsere Wälder ziehen, aber dann hätte ich ein Problem weniger. 2010 soll das Gesetz stehen. Mit Hilfe von Mutter Natur braucht es gar nicht erlassen. Das wäre eine echte Erlösung. Für Keller und seine Angst vor zu viel Wald.




