Todeszone Ostsee

Wie EU-Subventionierungen die Ostsee tötet
von Mathias Anschütz
Der Algenteppich vor Bornholm in diesem Sommer war nicht zu übersehen. Und es war beileibe nicht der erste
und bestimmt nicht der Letzte in der Ostsee. Jedes Jahr entstehen in der Ostsee sog. Todeszone, das heisst Gebiete, in denen der Sauerstoffgehalt zu niedrig ist und sich so vermehrt Algenteppiche bilden können…
Über 70.000 Quadratkilometer seien das mittlerweile, in dem kein Leben mehr möglich sei. Algen breiten sich hier besonders schnell aus und greifen die einzigartige Flora und Fauna der Ostsee an. Nach einen Bericht der WWF sind Subventionen der EU maßgeblich daran schuld. Seit Jahren fördere die europäische Agrapolitik Landwirte, die ihre Felder übermäßig stark düngern. Die giftigen Stoffe gelangen wie beispielsweise über die Peene in die Ostsee und führen zu Sauerstoffmangel in der Ostsee. Preisgünstiger Dünger verleite die Bauern dazu, ihre Felder zu überdüngen, finanziert wird das ganze aus Brüssel.
Untersuchungen haben ergeben, dass die Menge, die auf Feldern nahe der Ostsee gesprüht werden, um ein vierfaches höher liegt, als der vorgeschriebene Wert. Auch in den Anrainerstaaten wie Polen und dem Baltikum werde kräftig gedüngt, eine einheitliche Grenze gibt es nicht, jedes Land entscheidet nach Ermessen.
Wissenschaftliche Untersuchungen des WWF-Büros in Stralsund hätten erschreckende Ergebnisse ans Tageslicht gebracht. Demnach enthalte die Ostsee acht Mal mehr Phosphor und vier Mal mehr Stickstoff als noch vor hundert Jahren.
Jährlich können demnach rund eine Million Tonnen Stickstoff neu hinzu. Die Folgen wären katastrophal. Trotz zahlreicher
Umweltschutzprogramme hat sich die Situation kaum verändert. In den vergangen Jahren spitzte sich die Lage noch zu: Viele Schweinemastbetriebe wandern in Baltikum ab, hier sind die Vorschriften weniger streng, die Bauern leiten den Dung direkt in die Ostsee ab und zerstören so direkt einer ihrer Wirtschaftsfaktoren - Den Tourismus.
Der WWF fordert nun ein Handeln seitens der EU, folgen keine neuen Gesetze wäre das der Todesstoß für die Ostsee. Ein neues Programm solle beispielsweise die Fördergelder für Landwirte beschränken, wenn diese eine Überdüngung betreiben. Man wolle nicht, dass die Ostsee zu einer Kloake verkomme, so ein Umweltschützer. Im November treffen sich Vertreter der Regierung der Ostseestaaten in Rahmen des HELCOM-Abkommens um ein weiteres Sterben der Ostsee zu verhindern. Experten rechnen aber mit keinen nennenswerten Ergebnissen. Wahrscheinlich wird es ein Einlenken der Landwirte es geben, wenn sie beim Baden in der Ostsee im nächsten Sommer von Algenteppichen gestört werden.




