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Die Ballade von Soho

Stadtgeschichten
von Martin Rausch

Alles nur Schein! Für Soho trifft diese Erkenntnis in doppelter Hinsicht zu. Denn so schön die Lager- und Fabrikhallen auch aussehen, mit ihren Schmuckfassaden und Backsteinbauten, hinter all dem steckt profanes Gusseisen. Aber zeigen wollte man es nie, da wo vor Hundert Jahren noch Waren produziert und verkauft wurden, Händler durch die Strassen eilten und an Boutiquen noch nicht zu denken war…

Mitte des 19. Jhd. war Lagerraum in Manhattan gefragt und knapp, und die Cast-Iron Technik war billig und ermöglichte es, ganze Blöcke in kürzerster Zeit hochzuziehen. Aber in der Mitte des letzten Jahrhunderts verließen immer mehr Unternehmer Soho, neue, größere Fabrikhallen entstanden weiter auflerhalb der Stadtgrenzen und ein ganzes Viertel drohte zu verfallen.

Die Fassadenfarbe blätterte ab, der Müll stapelte sich an den Gebäudewänden und Feuerleitern rosteten vor sich hin. Weiter nördlich, im Greenwich Village, stiegen zur selben Zeit die Mieten des Künstlerviertels. Boutiquen entstanden und die Mieter, größtenteils Künstlerund Intellektuelle, zogen in das südliche Soho, dessen Abkürzung für South of Houston Street steht.

In den unzähligen Lagerhallen machten es sich die Künstler bequem, illegal, denn offiziell war es immer noch gewerblicher Raum und der durfte damals in Manhattan nicht privat genutzt werden. Die Mieter protestierten dagegen und gewannen vor Gericht. Ab da wohnten sie in ihren lichtdurchflutenten Lofts legal.

Langsam sprach sich das neue Viertel in der Szene herum, Fotografen bezogen Ateliers, Filmemacher hielten Castings ab und die Feuilletons der Zeitungen trugen den Namen Soho ¸ber die Grenzen New Yorks hinaus, hinaus in die ganze weite
Welt. Weltbekannte Maler wie Andy Warhol, Robert Rauschenberg oder Paula Cooper zogen nach Soho. Die anderen Künstler machten es ihnen nach, ganze Blocks wurden wegen ihrer architektonischen Bauweise unter Denkmalschutz gestellt, aufwendig saniert und Soho zur Künsterhochburg deklariert. Doch es blühte dem Viertel ein ähnliches Schicksal wie Greenwich Village. Immobilienspekulanten entdeckten das hippe Viertel, kauften ganze Häuserblocks auf und erhöhten die Mieten auf wahnwitzige Unsummen. Abermals sprieflen Boutiquen und Restaurants aus dem Boden und Anfang der 70.ger Jahre begann die Künstlergemeinde ihr Viertel zu verlassen. Übrig blieben die teuren Läden, die vornehmen Galerienund der Hauch von Tiffanys. Soho sollte nicht das letzte Viertel bleiben, was auf diese Art und Weise zerstört wurde. Es folgten das noch südliche Tribeca, Lower East Side und andere versteckte Viertel in Manhattan.

Übrig blieb ein Freilandgehege für Shoppingvictims und Touristen. Fast nichts ist geblieben vom Charme einer Künstlerhochburg. Spötter sehen es schon kommen, dass über das gesamte Viertel ein Glasdach gezogen wird, damit die feinen Herrschaften auch bei Regen trocken shoppen können. Was bleibt ist der Spott der ehemaligen Mieter und eine denkmalgeschützte Architektur, umgeben vom Kommerz

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Date
April 6th, 2009

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season

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