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	<title>Season Magazine</title>
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	<description>Das Magazin der Themen</description>
	<pubDate>Tue, 18 Aug 2009 08:36:14 +0000</pubDate>
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  <title>Season Magazine</title>
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		<title>Nächste Ausgabe: Schweiz</title>
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		<pubDate>Sat, 30 May 2009 18:27:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>season</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Next]]></category>

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		<description><![CDATA[
Wir denken, dass es ein besseres Jahr für diese Ausgabe nicht geben kann. Immerhin zicken sich Bundesminister Peer Steinbrück und die Regierung der Schweiz seit Monaten über Steueroasen, geheime Bankkonten und Schwarzgeldaktionen. Aber das Land mit den vielen Bergen hat weitaus mehr zu bieten als günstige Konten für Oma und Opa.
Die nächste Ausgabe widmet sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone" title="Schweiz" src="http://www.season-magazine.de/seasonmagazine/wp-content/themes/Hamasaki/Hamasaki/images/flaggen_schweiz.jpg" alt="" width="290" height="290" /></p>
<p>Wir denken, dass es ein besseres Jahr für diese Ausgabe nicht geben kann. Immerhin zicken sich Bundesminister Peer Steinbrück und die Regierung der Schweiz seit Monaten über Steueroasen, geheime Bankkonten und Schwarzgeldaktionen. Aber das Land mit den vielen Bergen hat weitaus mehr zu bieten als günstige Konten für Oma und Opa.</p>
<p>Die nächste Ausgabe widmet sich ganz dem Land mit dem roten Kreuz. Euch erwarten interessante Einsichten, spannende Reportagen und wie immer: beeindruckende Fotografien.</p>
<p>Seid gespannt auf Season - Schweiz. Im Sommer 2009.</p>
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		<title>Braune Töne in Deutschland</title>
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		<pubDate>Sat, 30 May 2009 09:57:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>season</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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Wie deutsche rechte Musik in internationalen Markt erobert.
Von Johannes Brümmer und Ullrich Starke
Freitag Abend in einen brandenburgischen Dorf, vor einer Dorfkneipe stehen auffallend viele Autos, meist VW oder Opel.  Sie kommen aus der Umgebung und aus Nordvorpommern, Uecker-Randow und Rostock. Ein glatzköpfiges Muskelpaket hält mich auf, fragt nach meinen Ticket für die „Veranstaltung“. Ich reiche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone" title="Rechte Musik in Deutschland" src="http://www.season-magazine.de/seasonmagazine/wp-content/themes/Hamasaki/Hamasaki/images/rechtemusik_nazis.jpg" alt="" width="294" height="202" /></p>
<p>Wie deutsche rechte Musik in internationalen Markt erobert.</p>
<p>Von Johannes Brümmer und Ullrich Starke</p>
<p>Freitag Abend in einen brandenburgischen Dorf, vor einer Dorfkneipe stehen auffallend viele Autos, meist VW oder Opel.  Sie kommen aus der Umgebung und aus Nordvorpommern, Uecker-Randow und Rostock. Ein glatzköpfiges Muskelpaket hält mich auf, fragt nach meinen Ticket für die „Veranstaltung“. Ich reiche es ihm, er nickt und lässt mich durch. Drinnen ist es stickig, schummrig und vor allem laut. Eine Band brüllt gerade Hasstiraden gegen Juden,<br />
es läuft mir eiskalt den Rücken runter. Ich bin auf einen geheimen Nazikonzert, mitten im Brandenburg. Sie finden in<br />
ganz Deutschland statt, Wochenende für Wochenende und meist geht es so konspirativ wie in diesem Falle zu, denn</p>
<p>der Staat schläft nicht, beobachtet die rechte Musikszene und schleust V-Leute in Konzerten. Die Band Noie Werte beginnt das nächste Lied, da bestimmte Textzeilen verfassungswidrig sind, singt das Publikum die betreffenden Passagen selber, juristisch ist da nichts zu machen, dass wissen Bands wie Faustrecht, Nahkampf oder eben Noie<br />
Werte. Nachdem das Konzert vorbei ist, komme ich mit Marc, 27 ins Gespräch, er kommt aus der Gegend, ich täusche Interesse für die Band vor und erhalte von ihm die Nummer eines Versandhandels mit rechtslastiger Musik. So einfach ist es also, rechte Musik zu bekommen. Musik und Rechtsextremismus, beides geht seit Jahrzehnten eine enge Bindung ein, sind in Deutschland trotzdem ein eher wenig lukratives Geschäft. Verlage wie Creative Zeiten oder Funny Sounds bedienen den heimischen wie internationalen Markt mit Bands, die wegen ihrer Liedtexte auf dem<br />
Index stehen. Die Lieder handeln meist von Ausländer verprügeln, Frauen schänden oder dem Vaterlandsstolz, beinahe jede Musikgattung wird damit bedient, ob Gothic, Punk oder Techno, für jeden braunen Musikfan ist etwas dabei.</p>
<p>Bereits 2005 verteilte die NPD in Sachsen die berühmt-berüchtigten Schulhof-CD’s, die von besorgten Hausmeistern und Lehrern flugs wieder eingesammelt wurde. Was bleibt sind die krummen Machenschaften der Versandhändler, die mit ein bisschen Vaterland und viel Rassismus den großen Reibach machen. Und so wird ein Großteil der braunen Musik nicht nur innerhalb Deutschlands verkauft und begeistert gehört, sondern immer öfter auch nach England und den USA, wo einzelne Nazigruppen engen Kontakt zur deutschen Kameradschaften pflegen, vertrieben.  Seit Jahren beobachtet der Verfassungsschutz dieses geschäftige Treiben und zeigt sich entsetzt, wenn der Kneipenbesitzer von nebenan deren Lokalitäten für private Feiern mit rechtsextremer Musik vermietet. Die Musik scheint in der Gesellschaft angekommen zu sein, ein bisschen Landser hören und auf die Türken schimpfen gilt in so manchen<br />
Kreisen und Gemeinden als harmlos und wird stillschweigend geduldet. Bands freut das, sie kommen mit Auftritten<br />
kaum noch hinterher und machen ihr Hobby allmählich zum Beruf. Einer der berühmtsten Bands überhaupt<br />
war die Berliner Band Landser, die es seit Mitte 2006 nicht mehr gibt. Deren Frontmann Michael Regner sitzt zur Zeit<br />
in der JVA Tegel, wegen Volksverhetzung und Mitglied einer verfassungsfeindlichen Organisation. Die deutschlandweit bekannte Naziband wurde lange intensiv vom Verfassungsschutz beobachtet, unter<br />
anderen mit Texten wie:<br />
„Ich brauch’ keinen Griechen, um gut essen<br />
zu gehen/ Keinen Nigger, um ein Fußballtor<br />
zu sehen/ Ich will auch kein Arbeiter bei<br />
den Türken sein / Ich will, dass wir uns<br />
vom fremden Pack befrei’n / Tritt einfach<br />
rein das dumme Schwein“.</p>
<p>Die Lieder kamen an bei den Fans und der Erfolg der Band stieg, je mehr sich der Rassismus entwickelte. Trotz Namensänderung und unzähligen Prozessen war 2006 Schluss mit braunem Gegröle. Der Sänger sitzt für drei<br />
Jahre hinter Gittern, die übrig gebliebene Band versucht sich unter neuem Namen und mit T-Shirts auf ihren „ politischen Gefangenen“ aufmerksam zu machen. Die Nachfolger von Landser sind längst in der rechtsextremen Sangesgemeinde etabliert, sie umgehen den juristischen Texten und Gesetzen und umschreiben ihre rassistischen Ansichten und Ziele, verfassungsfeindliche Passagen singt auf Kommando das Publikum lauthals nach.</p>
<p>Zurück in der Kneipe, das Konzert ist schon längst vorbei, als mich 2 Rechtsextreme zu sich nach Hause einladen, Bier trinken und Musik hören. Ich begleite sie, die Fahrt besteht aus einer Unterhaltung mit Hasstiraden gegenüber Türken, Punks und Niggern. Nebenbei läuft eine Nahkampf-CD, sie singen lauthals mit, ihr Hass schwingt dabei erkennbar mit. Die Lieder handeln von Judenvergasung, der Heimat und der SS. Mir wird übel, die Texte werden immer brutaler und ekelerregender. Als wir vor dem Neubau im Nachbarort endlich halten, bin ich froh, dass das Gegröle aufhört. Beim betreten fällt die Reichsflagge sofort auf, er erwähnt stolz, dass er die auf einen Polenmarkt<br />
günstig gekauft habe, und Polen sowieso: Fast alles, was nach Wehrmacht oder SS aussieht, könne man leicht auf den vielen Polenmärkten erstehen. Der Zoll schaut selten genau hin und so schmückt man sich in den deutschen<br />
Wohnzimmern mit alten Flaggen und hängt sich Himmler und Co an die Decke. Nationalstolz auf einer kranken Art und Weise. Der Ältere, ich nenne ihn mal Mike, zeigt mir seine CD-Sammlung, 76 an der Zahl, vieles habe er bereits via mp3 auf seinen iPod gezogen. Auf meine Frage, ob die Nachbarn davon wüssten, dass hier der Nationalsozialismus intensiv gelebt wird, lacht er auf. Die Nachbarn sind arbeitslos, deren Kinder kommen oft vorbei und leihen sich CD’s aus, den Eltern rutscht nach 5 Bieren auch schon mal ein „ Heil Hitler“ raus. In der Gruppe fällt der Nazi nicht auf,<br />
das Dorf ist braun, vom Eingangsschild bis zur Kirchspitze. In der vergangener Zeit beschlagnahmten Polizei und Staatsanwälte immer wieder kistenweise Musikstücke, den Ermittler fällt dabei immer wieder auf, dass die<br />
gefundenen Exemplare teilweise bei 12. und 13. Jährigen lagen. Über das Internet und P2P kann jeder von zu Hause aus bequem seine Nazilieblingsbands kaufen und runterladen, die Polizei schaut hilflos zu, wenn bereits Halbstarke rechte Musik auf ihren mp3-Player hören und ganze Liedtexte auswendig nachsingen. Die Erlöse wandern dabei über undurchsichtige Kanäle in die NPD oder parteinahen Organisationen. Lukrativ ist das Geschäft aber keineswegs, da die braune Musik im Gegensatz zur bunten Musik immer noch veraltert und steif wirkt, ist der Gewinn gering. Zu dem wird meist unter der Hand getauscht, verliehen oder verschenkt. Der Ruf nach einer stärkeren Zensur, auch im Internet ist irrsinnig.</p>
<p>Wo eine Nachfrage besteht, da gibt es immer ein Angebot, dass lässt sich weder mit Zensur noch mit totaler<br />
Überwachung eindämmen. Vielen Experten gilt die braune Musik bereits als Einstiegsdroge in Sachen Rechtsextremismus. Durch die gewaltastigen Texte werden Aggressionen<br />
geschürt und so folgen nicht selten auf Parolen Taten. Gemäß der Parole „Tritt in das dumme Schwein“ verprügelten<br />
Anfang des Jahres minderjährige Rechte in Brandenburg einen Asylbewerber. In den Zimmern der zwei 15 und drei 17 Jährigen fanden sich neben Hitlerposter und Gasmaske auch rechtsextreme Musik auf deren PC. Die Eltern wollten von den Treiben ihrer Sprösslinge nichts gewusst haben. Was weiß schon die Mutter, was für Musik Mamas Sprössling hört?</p>
<p>Bisweilen gleichen Nazikonzerten streng geheimen Funktionärstreffen, Späher suchen die Umgebung nach verdächtigen Leuten oder der Staatsgewalt ab, sie finden nicht öfter in abgelegenden Gebieten statt und werden nur an ausgewählte Nazis bekannt gegeben. Dennoch finden die konspirativen Konzerte immer mehr Anklang in der<br />
rechtsextremen Gemeinde, hier bleibt man unter sich, fachsimpelt über verschiedene Wehrmachtseinheiten und hebt gemeinsam den Hitlergruß. Nur manchmal wird diese heimatliche Idylle gestört: Wenn die deutsche Staatsgewalt zurück grüßt, mit Haftbefehlen und Platzverweisen.</p>
<p>von Ullrich Starke, Johannes Brümmer<br />
Mitarbeit: Mike Oppelt, Enrico Heitmann</p>
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		<title>Central Park surviving</title>
		<link>http://www.season-magazine.de/seasonmagazine/?p=85</link>
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		<pubDate>Sat, 30 May 2009 09:43:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>season</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[New York]]></category>

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Eine Nacht in der grünen Lunge New Yorks
Von Gordon Thomas / Übersetzung: Ullrich Starke
Meine Bekannten hatten mich für Verrückt erklärt. Bist du lebens­müde hatten sie mich gefragt. Ob ich das denn wirklich machen wolle, fragten be­sorgt meine Eltern. Dabei stand mein Ent­schluss schon fest: Eine Nacht im Central Park. Für viele mag das für eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone" title="Central Park Surviving" src="http://www.season-magazine.de/seasonmagazine/wp-content/themes/Hamasaki/Hamasaki/images/centralpark_nyc.jpg" alt="" width="294" height="202" /></p>
<p><em>Eine Nacht in der grünen Lunge New Yorks<br />
Von Gordon Thomas / Übersetzung: Ullrich Starke</em></p>
<p>Meine Bekannten hatten mich für Verrückt erklärt. Bist du lebens­müde hatten sie mich gefragt. Ob ich das denn wirklich machen wolle, fragten be­sorgt meine Eltern. Dabei stand mein Ent­schluss schon fest: Eine Nacht im Central Park. Für viele mag das für eine ruhige Campingnacht in der grünen Lunge von Manhattan klingen, aber dem ist nicht so. In zahlreichen Reiseführen wird davor gewarnt, jenseits des Sonnenunterganges sich im Park aufzuhalten. Nachts, wenn all die Touristen und die Familien ver­schwunden sind und die Kutschen zurück in ihre Depots fahren gehört der Central Park den Verrückten, Drogensüchtigen und Dieben. In einem Reiseführer stand einmal: „Ich schlief abends in der Nähe des Great Hill ein und erwachte morgens ohne Brieftasche und Hose. Nur meine Brille hatten sie da gelassen, offenbar war der Dieb nicht kurzsichtig.“ Das hatte mich nicht abgeschreckt, ich ließ Brieftasche und Handy in mei­ner Wohnung und betrat gegen 20 Uhr den Central Park nahe der 79.th Str. Ich schlenderte durch die Anlagen vorbei am Security Center und den Tennis Courts und bog irgendwann nach links, dem Re­servoir entgegen.<br />
Als ich am Shakespeare Garden ankam war es bereits 21 Uhr und das Licht er­reichte die Parklandschaften nicht mehr ganz. In der Nähe des Delacorte Theatre, hinter einen Busch, beschloss ich mein Nachtlager aufzuschlagen. Ich holte mir etwas zu essen aus meinen Rucksack und schaute gerade aus, der Skyline hinauf.<br />
Allmählich wurde es dunkler, ruhi­ger und die Temperaturen sanken lang­sam auf die nächtetypischen 10 Grad. Ich zog meinen Anorak an und schau­te mich um, bzw. lauschte. Vollkom­mene Stille, nur der Lärm der Cen­tral Park West Av. kam zu mir herüber.</p>
<p>Mir wurde es langweilig, hoffte fast schon auf einen Besuch der gefährlichen Art. Um etwa 23 Uhr hörte ich Stimmen, die zwei Männern gehören mussten, auf mich zukommen. Ich verhielt mich still und saß wie ein Tiger in der Lauerstellung.  Die zwei Unbekannten stoppten, sa­hen in meine Richtung und gingen dann weiter. Ich wurde wahnsinnig! Von wegen Gefährlich! Hier passierte rein gar nichts! Zwar hoffte ich nicht auf eine Messerste­cherei aber wenigstens Besuch von ande­ren Obdachlosen hatte ich erwartet.  Ich legte mich nieder, schloss die Au­gen und war innerlich enttäuscht. Ich hat­te mir zuviel davon versprochen. Gegen 1 Uhr wachte ich plötzlich auf und erschrak: Zwei Penner standen vor mir und starrten mich an, einer hatte mich mit einen Stock geweckt, der andere umklammerte eine Flasche Wein.  Auf ihre Frage, ob ich neu sei und hier zum ersten Mal schlafe erwiderte ich mein Vorhaben bezüglich der Nacht im Central Park. Sie lachten lauthals los und schüttel­ten den Kopf. Gefährlich sei es hier zwar schon, aber nur in der Gegend des Harlem 46 Meer. Ich hatte mir die sicherste Stelle des gesamten Central Park ausgesucht. Hier könnte man wochenlang schlafen, ohne beraubt zu werden. Sie lachten noch, als ich mich wieder hinlegte und musste über mich selbst lachen. Damit hatte ich nun nicht gerechnet, dass ich unfreiwillig mein eigenes Abenteuer versaute. Aber auf einen schnellen Tod via Messer oder Knarre hatte ich auch keine Lust. Span­nend war es so oder so.</p>
<p>Auch ohne Angriffe oder Diebstähle. Ich schlief ein und erwachte früh mor­gens und richtete mich auf und erschrak abermals. Meine Schuhe fehlten, genauso mein Rucksack, den ich neben mir gelegt hatte und die ganze Nacht eigentlich um­armt hatte, falls man mir ihn doch klauen sollte.  Auch meine Uhr am Handgelenk hat­te man mir geklaut! Unglaublich, ich stand auf und ging ein wenig herum.Ich wurde beklaut!, doch noch! Im Rucksack war mein Frühstück und das vermisste ich jetzt am meisten. Die Uhr war billig, ein Geschenk meiner Schwiegermutter, die konnte ich also verschmerzen. Ich ging Richtung Ausgang 81.th Str. und machte mich auf dem Weg nach Hause.<br />
Unterwegs dachte ich über die Penner nach und was sie gesagt hatten. Wäre ich in die Gegend des Harlem Meer geraten, hätte mir mehr als nur meine Schuhe, Uhr und Rucksack gefehlt? Gut möglich, aber das sollten Andere herausfinden. Nicht ich</p>
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		<title>Gangster A.D.</title>
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		<pubDate>Sat, 30 May 2009 09:36:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>season</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[New York]]></category>

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		<description><![CDATA[
Rückblick auf eine schwere Zeit
Die Gegend ist ruhig, sauber also ideal für Familien. Hier lässt es sich leben. Kenneth und ich spazieren an einen Plattenladen vorbei, ein Poster an der Tür wirbt mit zwei Gangsterrappern für eine neue CD. Kenneth bleibt stehen, den einen Rapper kennt er gut. Er war ein ehemaliger Freund. Und ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone" title="Gangster A.D." src="http://www.season-magazine.de/seasonmagazine/wp-content/themes/Hamasaki/Hamasaki/images/gangsterad_nyc.jpg" alt="" width="294" height="202" /></p>
<p>Rückblick auf eine schwere Zeit<br />
Die Gegend ist ruhig, sauber also ideal für Familien. Hier lässt es sich leben. Kenneth und ich spazieren an einen Plattenladen vorbei, ein Poster an der Tür wirbt mit zwei Gangsterrappern für eine neue CD. Kenneth bleibt stehen, den einen Rapper kennt er gut. Er war ein ehemaliger Freund. Und ein ehemaliges Gangstermitglied. Wie Kenneth auch.  Angefangen hat das alles 1992, da war Kenny 17 und hatte Ahnung, was er nach der High-School machen sollte. Er hat Ta­lent, kann gut Zeichnen und ist an seinen Mac ein wahres Genie. Nur haben das nie  die anderen Firmen bemerkt. Er ist frust­riert und hat eine Wut auf alles. Durch ei­nen Kumpel landet er in eine berüchtigte Gang, deren Gangsterboss schon mal sei­ne unliebsamen Feinde mit Kopfschüssen niederstreckt.<br />
Hier gewinnt der junge Kenneth Beach­tung, seine Muskel werden größer und sein Ruf als Schläger und Messerstecher steigen über das Viertel hinaus. Er betei­ligt sich an Raubzügen und Massenschlä­gereien. Seine Eltern wissen von all dem nichts oder wollen es nicht wissen. Da wurde viel ignoriert, einfach keine Fragen 35 season-new york<br />
gestellt, so Kenneth heute.<br />
Der muskelbepackte Schläger bekommt bald seinen ersten Auftrag. Er soll einen Spitzel, der für die Polizei arbeitete um die Gang auszukundschaften, erschießen. Da ist er gerade einmal 19 und bringt es nicht fertig, es zu tun. Heute ist er für seine da­malige Hemmung und Angst dankbar.  Ein anderes Gangmitglied entriss ihm schließlich die Waffe und drückte ab. 4-mal schoss er auf dem Undercover-Cop. Dabei lachte er und ermunterte Kenny es auch mal zu versuchen. Doch Kenneth muss sich übergeben, als Tei­le der Hirnmasse seinen Hals bespritzen.<br />
Der Killer lachte mich aus, es war sei­ne fünfte oder sechste Hinrichtung, es machte ihm Spaß. Er war krank. 2005 wurde er dann selbst getötet. Seit die­ser Hinrichtung ist Kenneth nicht wohl bei dem Gedanken, ein Leben lang als Killer oder Schläger zu arbeiten.  Dabei steckt er schon tief mit drin. Er weiß viel, kennt viele Gangmitglieder mit Namen, weiß, wo sie wohnen. Austreten wird sowieso unter Todesstrafe gestellt. Um zu leben macht er weiter, schlägt sich quer durch Queens. Warum bist du nicht ge­flüchtet? Hast einfach einen Schlussstrich hinter all dem gezogen? Ich konnte nicht. Warum? Sie hätten mich gefunden, egal wo.</p>
<p>Damals hatte ich einfach viel zu viel Angst. Man sagte mir damals, wenn ich aussteige und mich absetze würden sie mich finden, mich töten. Ich wollte ja le­ben, zwar nicht so, aber ich hatte doch keine andere Wahl. Jeder, der verunsichert war, wurde besonders beobachtet, be­schattet und eingeschüchtert. Im Grunde genommen konnte man aus dieser Gang nur tot aussteigen. Bad Boy for Life eben.<br />
Kenneth ist mittlerweile 25, die Gang gehört zu seinem Leben, gewisse Rituale sind Pflicht, Treffen und Aktionen regu­lieren den Tagesrhythmus. 2006: Wir blei­ben vor einer Bar stehen, Kenneth lächelt, hier war gewissermaßen der Start eines neuen Lebens und das Ende des Alten.  Wir gehen hinein, Ladenbesitzer Fred kennt uns und reicht uns 2 Buds. Ken­neth schaut sich um, das gerade hier sein Schicksal auf ihn wartete klingt sehr nach Hollywood, doch Kenneth winkt ab. Es war so, 1999 treten er und zwei ande­re Gangmitglieder in die Bar, sie wollen ein neuen Deal mit der örtlichen Dro­genszene absprechen. Kenneth Blick wird von einer gutaussehenden Dame gegenüber von ihnen abgelenkt. Seine spätere Frau Hanna*. Als die Gespräche beendet sind verlassen alle das Lokal.</p>
<p>Was bleibt ist die Frau in Kenneth Kopf. Am nächsten Tag geht er wieder in das Lokal, beobachtet sie. Tag für Tag geht das so, bis er all sein Mut zusam­men nimmt und sie anspricht. Sie kennt ihn, schließlich ist er in der Gegend be­kannt, kennt seine Taten und Aktionen. Doch statt sich abzuwenden, hört sie ihm zu und merkt: Hinter der rauen Fassade steckt ein kluger, kreativ begabter Kopf. Für beide beginnt damit eine harte Zeit. Noch heute redet Kenneth nicht gern mit mir darüber, die Angst war immer da, sie bleibt auch. Hattest Du Angst Kenneth? Ja klar, vor allem um Hannah, auch ihr hätte etwas passieren können. Der Weg aus der Gang war ja nicht gerade leicht, wir haben immer zusammen gehal­ten. Aufgeben kam für uns nicht in Sinn. Und dieser Ausstieg aus der Gangster­welt, der Kriminalität und der Gewalt be­ginnt an einen sonnigen Oktobertag 1999.</p>
<p>Mit Schweißperlen steht er vor dem leitenden Staats­anwalt für das Borough Queens. Er packt aus, nennt Namen, Adressen. Tage später wird fast die gesam­te Gang verhaftet, zum Schein für die Anderen auch Ken­neth, ein Beamter, der nicht wuss­te, dass Kenneth der Informant war, schießt ihm ins Bein. Später entschuldigt er sich dafür. Doch für Kenneth ist ein Glücksfall, so fällt der Verdacht nicht auf ihn. Kenneth wird wenig später für 10 Jahre eingesperrt, wird schon nach 3 Jahren entlassen und bekommt die restliche Zeit erlassen. Schon im Gefängnis fällt sein künstle­risches Talent auf, er bemalt einige Zellen und darf sogar den Innenhof gestalten.</p>
<p>Ein Angestellter vermittelt ihm einen Job in einer Agentur. Da ist man über sein Vita zuerst schockiert, doch der Gefäng­nisbeamte bürgt für ihn. Heute ist Kenneth eine unverzichtbare Kraft in der Agentur.  Er designed Websites, Magazine und hat nebenbei eine eigene Galerie in Wil­liamsburg. Ob er heut noch Angst hat, fra­ge ich ihn, als wir vor seiner Haustür in Queens stehen. Ja, zwar werde er immer noch vom FBI bewacht, doch manchmal verfolgen ihn seine Ängste sogar in den Träumen. Die vielen Toten, die Schreie.  &#8220;Ich schäme mich für das, was ich ge­tan habe. Ich habe zwar nie einen Men­schen umgebracht, aber ich habe vie­le Menschen Leid zugefügt und ihnen Schlimmes angetan. Indirekt habe ich einige Menschen auf dem Gewissen.&#8221;.<br />
Kenneth holt eine Flasche Volvic, schaut auf das Meer hinaus und lächelt. Seine Frau ist schwanger, bald wird er Va­ter. Auf meine letzte Frage antwortet er nach langer Bedenkzeit: Nein, New York ist kein Ghetto wie LA, es gibt hier im­mer noch viele Ecken, wo man beruhigt und sicher leben kann. Auch in Queens.  New York ist unglaublich sicher, früher war das vielleicht nicht so. Vielleicht bin ich dran schuld.<br />
Von Aaron Desset<br />
Übersetzt von: Max Kehner<br />
* Alle Namen von d. Redaktion geändert</p>
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		<title>Hilfe, der Wald kommt!</title>
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		<pubDate>Sat, 30 May 2009 09:29:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>season</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Wald]]></category>

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Von Thomas Starke-Schulus.
Der Bürgermeister Johann Keller steht auf der steilen Wiese, die Hände in die Hüfte und zeigt uns seinen Feind. Da, von allen Seiten greift er an. Der Feind ist der Wald. Tatort ist eine kleine Gemeinde im Schwarzwald, Bad Peterstal-Griesbach. Seit Jahren schon beobachtet der Bürgermeister der kleinen Gemeinde die Vermehrung des Waldes. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone" title="Der Wald kommt näher" src="http://www.season-magazine.de/seasonmagazine/wp-content/themes/Hamasaki/Hamasaki/images/waldnaeher_wald.jpg" alt="" width="294" height="202" /></p>
<p><em>Von Thomas Starke-Schulus.</em></p>
<p>Der Bürgermeister Johann Keller steht auf der steilen Wiese, die Hände in die Hüfte und zeigt uns seinen Feind. Da, von allen Seiten greift er an. Der Feind ist der Wald. Tatort ist eine kleine Gemeinde im Schwarzwald, Bad Peterstal-Griesbach. Seit Jahren schon beobachtet der Bürgermeister der kleinen Gemeinde die Vermehrung des Waldes. Langsam hat er Angst, denn zu viel Wald ist auch nicht gut.<br />
Die Wiesen rings um das Dorf sind steil, an manchen Abschnitten bis zu 50 Prozent. Die Bauern mähen die Wiesen dort noch mit der Hand, doch viele haben dies längst aufgegeben. Warum auch die Mühe machen? Kühe können auf den Weiden nicht grasen, die Bauern sind die Wiesen zu steil. Also lässt man Gras wachsen, den Rest übernimmt dann der Wald. Jahr um Jahr wird die Waldfläche größer und somit die Angst vom Bürgermeister aus Bad Peterstal-Griesbach. Die konventionelle Landwirtschaft bringe nichts, so argumentieren die zahlreichen Landwirte rings um den Ort. Stattdessen verlässt man sich auf die Baumwirtschaft,, zu Weihnachten immerhin ein sicheres Geschäft. Viele Landwirte haben bereits vor über 50 Jahren neue Baumplanatagen gesetzt, die Ernte fährt die heutige Generation ein. Mit Faulheit habe dies nichts zu tun, denn wer steht morgens noch um 4 auf, um den Hof zu versorgen um dann zur Arbeit zu fahren?<br />
Der Bürgermeister schüttelt dabei den Kopf, er holt Zahlen und Statistiken hervor und zeigt, dass von den 4000 Hektar, die zu seiner Gemeinde gehören mittlerweile 3292 Hektar Wald sind. Das mach satte 80 Prozent. Ganz zu schweigen vom Tourismus. Welcher Urlauber möchte schon bewaldetet Hänge sehen? Die Wanderer wollen über Wiesen gehen, die Kühe beobachten und sich ihren Weg nicht durch ein Dschungel voller Wälder bahnen.</p>
<p>Deshalb hat Keller jetzt die Paragrafenkelle herausgeholt, eine Nichtaufforstungssatzung<br />
soll her. Die letzten Sätze werden noch formuliert, dann kann es verabschiedet werden und das Waldvermehren endlich aufhören. So plant er.<br />
Seine Untertanen halten das für Unsinn. Der Wald ist unsere Zukunft, unser Kapital. So ertönt es überall von den Höfen. Das Gesetz sei sinnlos. Man fürchtet um die Existenz, wenn festgelegt werden müsste, wie viel Wald eigentlich gut tut. Den Touristen sei es schließlich egal, ob man nun eine Wiese oder einen Wald vor sich habe. Das ist denen am Ende doch egal. Doch Keller bleibt hart, er weiß es doch besser. Mit Sorge denkt er an den nächsten Sturm, der ganze Schneisen durch die Wälder ziehen wird. Äste schleudern durch die Luft, Bäume fallen auf Häuser. Schlimm sei das doch. Doch so schlimm kann es nicht sein, er schaut sich um und überlegt. Nun ein Sturm würde natürlich Schneisen durch unsere Wälder ziehen, aber dann hätte ich ein Problem weniger. 2010 soll das Gesetz stehen. Mit Hilfe von Mutter Natur braucht es gar nicht erlassen. Das wäre eine echte Erlösung. Für Keller und seine Angst vor zu viel Wald.</p>
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		<item>
		<title>Schuften im Wald</title>
		<link>http://www.season-magazine.de/seasonmagazine/?p=74</link>
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		<pubDate>Sat, 30 May 2009 09:26:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>season</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Wald]]></category>

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von Mareike Hermann
Sommer 2007. Meine Studienkollegen liegen am Strand, baden, feiern haben Spaß. Ich meinerseits packe meinen Koffer und breche auf nach Bayern, um Bäume zu pflanzen. Völlig unentgeltlich. Warum macht man so was. Was bringt es einen? Der DAV (Deutscher Alpen Verein) ruft jedes Jahr naturbegeisterte Aktivisten auf, in den Sommerferien in die Alpen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone" title="Schuften im Wald" src="http://www.season-magazine.de/seasonmagazine/wp-content/themes/Hamasaki/Hamasaki/images/schuftenwald_wald.jpg" alt="" width="294" height="202" /></p>
<p><em>von Mareike Hermann</em></p>
<p>Sommer 2007. Meine Studienkollegen liegen am Strand, baden, feiern haben Spaß. Ich meinerseits packe meinen Koffer und breche auf nach Bayern, um Bäume zu pflanzen. Völlig unentgeltlich. Warum macht man so was. Was bringt es einen? Der DAV (Deutscher Alpen Verein) ruft jedes Jahr naturbegeisterte Aktivisten auf, in den Sommerferien in die Alpen zu kommen, nach Garmisch, Sonthofen oder anderswo. Überall kann man helfen, dass das Alpenpanorama mit den vielen Bäumen er­halten bleibt. Wochen zuvor erhielt ich eine Informationsbroschüre von der DAV. Ich musste mich entscheiden, welche Art von Baumpflanzung ich machen wollte, also an Gebirgshängen, steilen Talhängen oder doch ganz profan im leicht steigenden Wald. Seine Klettererfahrungen sollte man gut einschätzen, denn wer möchte sich später vor dem Förster und den übrigen Teilnehmern blamieren?<br />
Ich entschied mich für Garmisch und der ungefährlichen Methode (3000 Bäume in einen leicht steigenden Waldgebiet nördlich von Gar­misch) Mit dem Zug gings bis Garmisch, am Bahnhof wartete bereits ein Bus, mit mir fuhren der stete Immobilienmakler Georg, die Berlin-Tussi Gabi und der Ökohardliner Sören. Arbeiten für den DAV heisst, auf das Luxusleben zu verzichten. Unsere Unterkunft entpuppte sich als einfa­che Holzhütte, kein Fernseher, kein Radio und natürlich kein Internet. Langsam begann ich mich auf die Arbeit der kommenden zwei Wochen einzustellen.<br />
So einfach, wie ich es mir das vorgestellt hatte, war es die ersten Tage 12 Wald season dann doch nicht. Es regnete, Gabi hatte schrecklichen Husten und Sö­ren brach sich beim Setzen von Buchen das rechte Bein. Arbeiten kann gefährlich sein. In der ersten Woche lag ein Gebiet von ungefähr 3000 Quadratmeter vor uns, unser Förster Alois zeigte uns Stellen, wo wir Setzlinge pflanzen konnten. Nach und nach erkannten wir günstige Stel­len von alleine und kümmerten uns um das perfekte Pflanzen.<br />
Die Abende verbrachten wir mit anderen Teilnehmern dann an der Holzhütte, wir erzählten uns unsere Naturbeobachtungen und nicht selten deutete jemand an, dass das alles wie eine Pfadfindergruppe auf einen wirke. Gabi, die zuerst an einen Abbruch dachte, war jetzt ganz begeistert von dieser Idee. Ein Kollege hatte es ihr erzählt, als Ausgleich zum normalen Urlaub sozusagen. Fast alle Schichten der Arbeitergesell­schaft haben bisher an diesen Aktionen teilgenommen. Über 3200 sind es bisher, Tendenz steigend. Der Faktor Umweltschutz zwingt viele Men­schen zum Umdenken. Sie wollen handeln und landen so wie ich und viele andere bei Alois und seinen Kollegen.<br />
Tag 11 ist mittlerweile angebrochen, die Arbeitsmoral sinkt nur leicht, langsam kann man Bäume und Alpen nicht mehr sehen. Ich sehne mich langsam nach der flachen Küste und kann das Ende der Baumpflanzung kaum noch abwarten. Vielen geht es so, doch abbrechen will keiner. Auch ein schweres Gewitter am gleichen Tag sorgt eher für Trotz als für Auf­gabe. Alle fühlen sich wie in einen Abenteuer, es gibt viele Geschichten, die man später den Kollegen auf der Arbeit erzählen kann. Etwa die, als wir zu fünft in etwa 3 Stunden Ca. 8 Biber und genauso viele Kreuzotter entdeckt hatten. Wer kann so was schon von sich behaupten?<br />
Es stellt sich allenthalben die Frage, warum der DAV zu solchen Aktio­nen aufruft? PR-Programme oder wichtige Hilfeleistung? Alois lacht bei dieser Frage. Er zeigt auf das Tal und dann auf die Gipfel. Auch hier spürt man langsam die Klimaveränderung. Und wenn im Frühjahr die vielen 13 Wald Bäche über die Ufer treten oder Schneelawinen ins Tal rollen fehlt oft das wichtigste: Bäume. Die mussten immer mehr neuen Hotels oder Skipis­ten weichen. Das rächt sich. Durch die massive Baumpflanzung versucht man das Problem in den Griff zu bekommen. Über 38 000 Bäume aller Gattungen wurden schon gesetzt damit Lawinen natürliche Schranken haben.<br />
Fasziniert war ich während diesen zwei Wochen immer wieder über die ausgefeilte Logistik. Materialseilbahnen und Hubschrauber setzten ihre Fracht auf den vielen Plattformen oberhalb der Hütte ab. Meterweise sta­pelten sich dann dort die Buchen, Tannen oder anderes Gestrüpp. Anpa­cken war die Devise, gelohnt hat es sich trotzdem. Abends sah man sein Tagewerk und war stolz auf sich selbst. Die vielen Schwielen nahm man in Kauf, das Glücksgefühl gab es gratis dazu. Ein 25-jähriger Bochumer erzählte mir am vorletzten Tag, dass er diese Aktion zum Geburtstag geschenkt bekommen habe. Er wolle was für die Natur tun, hatte er im­mer wieder gesagt. Seine Eltern stießen auf die DAV und nun steht er hier und schuftet von morgens bis abends. Für die Natur. Er sieht glück­lich aus. Ein besseres Geschenk habe man ihm nicht schenken können. Am letzten Tag schenkt uns Alois ein Andenken, Käse und Wurst. Ty­pisch Bayerisch. Er dankt uns allen für die großartige Leistung. Jeder hat hier etwas getan, worum ihn niemand gebeten hat. Alle sind freiwillig hier und wurden nicht bezahlt. Trotzdem haben wir viel mitgenommen. Über die Natur, über Bäume selbstverständlich und auch über uns selbst. Erstaunt, was alles möglich ist, wenn man zwei Wochen Zeit hat, um der Natur ein wenig zu helfen.<br />
Falls Sie auch etwas für die Umwelt machen möchten, die DAV bietet ent­lang der Bayerischen Alpen jeden Sommer Kurse und Aktionswochen an. Mehr Infos erhalten Sie unter: www.dav.de</p>
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		<title>Todeszone Ostsee</title>
		<link>http://www.season-magazine.de/seasonmagazine/?p=51</link>
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		<pubDate>Mon, 06 Apr 2009 08:00:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>season</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Ostsee]]></category>

		<category><![CDATA[Wasser]]></category>

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Wie EU-Subventionierungen die Ostsee tötet
von Mathias Anschütz
Der Algenteppich vor Bornholm in diesem Sommer war nicht zu übersehen. Und es war beileibe nicht der erste
und bestimmt nicht der Letzte in der Ostsee. Jedes Jahr entstehen in der Ostsee sog. Todeszone, das heisst Gebiete, in denen der Sauerstoffgehalt zu niedrig ist und sich so vermehrt Algenteppiche bilden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img alt="" src="http://www.season-magazine.de/seasonmagazine/wp-content/themes/Hamasaki/Hamasaki/images/ostseealgen_ostsee.jpg" title="Todeszone Ostsee" class="alignnone" width="294" height="202" /><br />
Wie EU-Subventionierungen die Ostsee tötet<br />
von Mathias Anschütz</p>
<p>Der Algenteppich vor Bornholm in diesem Sommer war nicht zu übersehen. Und es war beileibe nicht der erste<br />
und bestimmt nicht der Letzte in der Ostsee. Jedes Jahr entstehen in der Ostsee sog. Todeszone, das heisst Gebiete, in denen der Sauerstoffgehalt zu niedrig ist und sich so vermehrt Algenteppiche bilden können&#8230;</p>
<p>Über 70.000 Quadratkilometer seien das mittlerweile, in dem kein Leben mehr möglich sei. Algen breiten sich hier besonders schnell aus und greifen die einzigartige Flora und Fauna der Ostsee an. Nach einen Bericht der WWF sind Subventionen der EU maßgeblich daran schuld. Seit Jahren fördere die europäische Agrapolitik Landwirte, die ihre Felder übermäßig stark düngern. Die giftigen Stoffe gelangen wie beispielsweise über die Peene in die Ostsee und führen zu Sauerstoffmangel in der Ostsee. Preisgünstiger Dünger verleite die Bauern dazu, ihre Felder zu überdüngen, finanziert wird das ganze aus Brüssel.</p>
<p>Untersuchungen haben ergeben, dass die Menge, die auf Feldern nahe der Ostsee gesprüht werden, um ein vierfaches höher liegt, als der vorgeschriebene Wert. Auch in den Anrainerstaaten wie Polen und dem Baltikum werde kräftig gedüngt, eine einheitliche Grenze gibt es nicht, jedes Land entscheidet nach Ermessen.</p>
<p>Wissenschaftliche Untersuchungen des WWF-Büros in Stralsund hätten erschreckende Ergebnisse ans Tageslicht gebracht. Demnach enthalte die Ostsee acht Mal mehr Phosphor und vier Mal mehr Stickstoff als noch vor hundert Jahren.<br />
Jährlich können demnach rund eine Million Tonnen Stickstoff neu hinzu. Die Folgen wären katastrophal. Trotz zahlreicher<br />
Umweltschutzprogramme hat sich die Situation kaum verändert. In den vergangen Jahren spitzte sich die Lage noch zu: Viele Schweinemastbetriebe wandern in Baltikum ab, hier sind die Vorschriften weniger streng, die Bauern leiten den Dung direkt in die Ostsee ab und zerstören so direkt einer ihrer Wirtschaftsfaktoren - Den Tourismus.<br />
Der WWF fordert nun ein Handeln seitens der EU, folgen keine neuen Gesetze wäre das der Todesstoß für die Ostsee. Ein neues Programm solle beispielsweise die Fördergelder für Landwirte beschränken, wenn diese eine Überdüngung betreiben. Man wolle nicht, dass die Ostsee zu einer Kloake verkomme, so ein Umweltschützer. Im November treffen sich Vertreter der Regierung der Ostseestaaten in Rahmen des HELCOM-Abkommens um ein weiteres Sterben der Ostsee zu verhindern. Experten rechnen aber mit keinen nennenswerten Ergebnissen. Wahrscheinlich wird es ein Einlenken der Landwirte es geben, wenn sie beim Baden in der Ostsee im nächsten Sommer von Algenteppichen gestört werden.</p>
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		<title>Wo liegt Vineta?</title>
		<link>http://www.season-magazine.de/seasonmagazine/?p=49</link>
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		<pubDate>Mon, 06 Apr 2009 07:59:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>season</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Ostsee]]></category>

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Eine Suche von Manfred Schamp
Es ist, als ob ein Geheimnis diese Ostsee umspüle, etwas mystisches in dieser gar langweiligen Gegend. Das Atlantis der Ostsee, aber wo ist sie ? Wo ist die Stadt, deren Sage nach unsagbar reich sein soll?&#8230;
Wer sich auf die Suche macht, muss zuerst begreifen und wissen, was Vineta war. Die Stadt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone" title="Wo liegt Vineta?" src="http://www.season-magazine.de/seasonmagazine/wp-content/themes/Hamasaki/Hamasaki/images/vineta_web.jpg" alt="" width="294" height="204" /></p>
<p>Eine Suche von Manfred Schamp</p>
<p>Es ist, als ob ein Geheimnis diese Ostsee umspüle, etwas mystisches in dieser gar langweiligen Gegend. Das Atlantis der Ostsee, aber wo ist sie ? Wo ist die Stadt, deren Sage nach unsagbar reich sein soll?&#8230;</p>
<p>Wer sich auf die Suche macht, muss zuerst begreifen und wissen, was Vineta war. Die Stadt war reich, nicht nur an Geldern, auch an Wissen und Macht. Egal ob Gold oder edle Stoffe, Vineta hatte sie. Diese Üppigkeit und der Reichtum festigten die Saga der Stadt Vineta. Doch all der Glanz verschwand in einer rauen, stürmischen Nacht am Ostersonntag. Die Stadt verschwand in den Fluten der Ostsee. Seit jeher ist die Stoff für Theaterfestspiele und wilde Spekulationen. Vineta, dass ist auch ein Stück Marketing für abenteuerlustige Touristen. Doch bleibt die Frage, wo die einstige reiche Ostseemetropole lag. Wo also liegt Vineta? Bei Ausgrabungsarbeiten in Stettin 1895 stieß man auf zwei alte bronzene Glocken, flugs verbreitete sich in der preuﬂischen Stadt die Kunde, dass das legendäre Vineta gefunden sei. Doch stimmt diese Aussage zu?</p>
<p>Fakt ist, dass verschiedene Autoren unterschiedlichen geografische Bestimmungspunkte angaben, sie sind teilweise über 1000 Jahre alt und zeugen von einer langen Tradition des Finden von Vineta. Einer dieser Autoren vermutete um das Jahr 1200 die Stadt am Strom der Oder, nicht weit ab der Halbinsel Usedom, die damaligen Flussläufe sahen anders aus, somit die Legende geboren war. Vineta, also an der Odermündung bei Stettin? Als kleiner Bursche zog es mich sommertags immer an den Strand von Koserow auf Usedom, die Wellen rauschten ebenso hin und beruhigten mich ungemein. Ich kam mit einen alten redseligen Fischer ins Gespräch. Er kannte die Sage von Vineta anders, wohl auch kannte er die Geschehenisse von Stettin, doch er glaubte dem nicht. Alles falsch, die wahre Stadt Vineta liege genau vor mir, so der greise Mann und zeigte mit seiner wettergegerbten Hand auf das Meer. Dort verschwand damals die Stadt im Meer. Er erzählte mir von unheimlichen Ereignissen, die lange zurückliegen. Wenn man ein Sonntagskind sei, könne man die Glocken von Vineta an einen Ostersonntag frühmorgens hören.</p>
<p>Dann erscheine die Stadt vor einem und man werde immerdar Glück im Leben haben. Der Fischer erwähnte das Örtchen Loddin, dass noch heute aus Erben von Vineta stamme. Sie hätten damals überlebt, weil sie auf dem Weg nach Usedom gewesen seien. Sie hätten sich alsdann in Loddin, nahe der verschwundenen Stadt niedergelassen und ein waches Auge auf Vineta gehabt. Damals war ich 12, ich besuchte Loddin und stieﬂ auf eine Wand des Schweigens. Aberglaube und Gewäsch sei das alles, fuhr man mich an. Ich ging am Strand entlang und war in Gedanken versunken. Wenn es diese Stadt gegeben hat, muss es Berichte dar¸ber geben, Handelsverträge mit anderen Städten. Doch was wäre, wenn Vineta zu einer Zeit existiert hätte, als es Rostock, Stralsund und all die anderen Hansestädte noch gar nicht gab? Ich las einmal ein Buch, das sich mit dem Mythos Vineta auseinandersetzte. Demnach war von einer Stadt die Rede, die mit Tempeln und reich verzierten Häusern beschrieben war. Also musste es die Stadt lange vor der Besiedlung der pommerischen Küste gegeben haben. Im laufe der Zeit kamen neue Geschichten über den Untergang Vinetas ans Tageslicht. Die eine lautete so: Vineta war mächtig, reich und deren Bewohner genossen ein Leben in Üppigkeit und Verschwendungssucht. Andere Städte wurden alsbald neidisch auf diese Stadt und wollten sich ihrer habhaft machen. Ein Krieg entbrannte der das Schicksal der Stadt besiegelte. Dieser Geschichtsquelle nach waren die Dänen die Schuldigen, sie wollten die Stadt sich einverleiben und metzelten die Bewohner grausam nieder, was sie nicht an Besitztümer habhaft wurden, verbrannten sie. Damit zerstörten sie letztendlich auch die Stadt. Sie brannte nieder.</p>
<p>Diese Quelle war natürlich erlogen, sie beweis zwar die Zerstörung, aber nicht ihr verschwinden von der Erdoberfläche. Nein, diese Sage ist wie viele andere auch erlogen. Doch vor einiger Zeit las ich ein Buch, welches ich in einer alten antiquarischen<br />
Bücherei in Stralsund fand. Das Buch war alt und zerlesen doch der Inhalt war sehr interessant. Sie enthielt Karten von alten Uferlinien der Ostsee, eine Karte zeigte die ungefähren Verläufe der Strandlinien vor rund 1000 Jahren. Was ich dort las, versetzte mich in Aufruhr. Dieser Karte nach, könnte Vineta tatsächlich auf Usedom gelegen haben! Jahrzehntelanges Abtragen<br />
von Sand und die St¸rme erzeugten die heutige Uferlinie, doch damals war dieser Abschnitt anders beschaffen. Vineta soll auf einem Vorsprung, etwa 500 Meter vom eigentlichen Strand gelegen haben. Vineta war also eine Insel vor der Halbinsel.<br />
Mir fiel der Ort Loddin wieder ein, auch das Achterwasser konnte ich damit in Zusammenhang bringen. Das Buch will von einer gewaltigen Sturmflut wissen, die damals auf Rügen und Usedom zurollte. Eine alte Quelle erzählt in diesem Buch, dass durch die groﬂen Sturmwellen, die tagelang wüteten, Hiddensee von Rügen getrennt wurde. Auch von einer Stadt, die nördlich von Anklam gelegen haben soll, soll durch die Fluten überschwemmt geworden sein. Damit kann nur Vineta gemeint sein !</p>
<p>Das Buch zog mich immer mehr in den Bann, es gebe Bücher, die über die Katastrophe berichten würde, so das Buch. Doch wo die Bücher liegen, verriet es mir nicht. Heute bin ich alt, an Vineta glaube ich immer noch, vielleicht werde ich es in meinen Leben nicht mehr sehen, aber das empfinde ich als nicht weiter tragisch. Vineta ist in den Büchern als eine Art Mythos verankert, es ist ein Ort für Zweifler, Archäologen und Heimatforschern. Doch finden wird man es nie, es ist ein Ort, wo der Wille und Glaube Vineta zum Leben erweckt. Jedes Kind kann es finden, vorrausgesetzt, es ist dazu bereit.<br />
Manfred Schamp starb 2007. Die Geschichte zeichnete er im März 2004 auf.</p>
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		<title>Einmal Europa und zurück</title>
		<link>http://www.season-magazine.de/seasonmagazine/?p=47</link>
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		<pubDate>Mon, 06 Apr 2009 07:56:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>season</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[
Klaus B. lebte die Globalisierung, Belgien, Dänemark und Österreich.
Ein Lehrstück über die Bedeutung von Arbeit. Von Ullrich Starke
Wenn man Klaus B. nach den Schönheiten Dänemarks, Belgiens oder den Niederlanden fragt, zuckt er nur die Schultern. Klaus kennt auﬂer den Industriehallen und Autobahnen kaum etwas über die Ländern. Muss er auch nicht, denn Klaus ist ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone" title="Einmal Europa und zurück" src="http://www.season-magazine.de/seasonmagazine/wp-content/themes/Hamasaki/Hamasaki/images/europaarbeit_arbeit.jpg" alt="" width="294" height="204" /><br />
Klaus B. lebte die Globalisierung, Belgien, Dänemark und Österreich.<br />
Ein Lehrstück über die Bedeutung von Arbeit. Von Ullrich Starke</p>
<p>Wenn man Klaus B. nach den Schönheiten Dänemarks, Belgiens oder den Niederlanden fragt, zuckt er nur die Schultern. Klaus kennt auﬂer den Industriehallen und Autobahnen kaum etwas über die Ländern. Muss er auch nicht, denn Klaus ist ein Wanderarbeiter, für Kultur und Natur bleibt keine Zeit&#8230;</p>
<p>Es ist das typische Märchen über Globalisierung, über Zeitarbeit und die traurige Erkenntnis, dass man für Geld überall hin geht. Mai 2000. Die Geschäfte einer Ludwigsluster Metallbaufirma laufen schlecht, immer öfter werden die Arbeiter nach Hause geschickt, müssen warten, warten und warten. Klaus B. ist frustriert, so hat er sich seine Zukunft nicht vorgestellt. Im Juni 1998 ist er nach Ludwigslust gekommen, blühende ostdeutsche Landschaften sollten entstehen, doch Kohls Verheißung war ein Märchen, statt blühender Landschaft gibt es viel Tristesse und dazwischen braune aufkeimende Gedanken. Klaus fühlt sich wohl in der Ludwigsluster Firma, noch gibt es Aufträge, seine Frau findet Arbeit als Bürokauffrau, das Haus ist geplant, die Zukunft soll sich um Ludwigslust abspielen.</p>
<p>Doch das Jahr in der Jahrtausendwende fangen schlecht an, erste Entlassungsgerüchte tauchen auf, Mai 2000 wird die Stimmung in der Firma schlechter, es riecht nach Pleite. Ein Freund von Klaus zeigt Flyer über Arbeitsangebote in Holland herum, Klaus ist dagegen, er will hier bleiben. Sein Freund wird ein Monat später entlassen, ein Jahr später bekommt er Post von seinen Freund - aus Spanien. Ende 2000, kurz vor Weihnachten ruft der Chef die restliche Truppe in sein Büro. Er kündigt allen. Die Firma ist pleite. Für Klaus bricht eine Welt zusammen, er sitzt zuhause unruhig herum, er denkt an seinen Freund in Spanien, er denkt an Arbeit in fremden Ländern und er denkt an seiner Frau. Für B. ist es eine schwere Zeit. Anfang 2001 trifft er einen alten Bekannten wieder, er hat Arbeit in den Niederlanden, verdient viel Geld und bietet Klaus einen Job in Dänemark an. Das Geld lockt, denn die Schulden des Hauses müssen abbezahlt werden. Zwei Wochen später verabschiedet er sich frühmorgens von seine Frau, Tränen flieﬂen, 4 Wochen Trennung liegen vor ihnen. Die Arbeit in Dänemark ist hart, doch die Bezahlung machen Trennungsschmerz und Müdigkeit wieder weg. Eines Abends ruft seine Frau an, Klaus B. wird Vater, sein Leben läuft gut. In den nächsten Monaten spielt sich der immer gleiche Rhythmus ab, 4 Wochen Urlaub, 4 Wochen Arbeit. Zunehmend fordert die Schwangerschaft die beiden heraus, es wird gestritten und eine Frage drängt sich immer wieder aus: Wie soll es weiter gehen? Die werdende Mutter will das Kind nicht allein großziehen. Ende 2001 kommt Sohn Lukas auf die Welt, Klaus ist wieder arbeitslos, Zeitarbeit ist eben keine langfristige Sache. Wieder sitzt er lustlos zuhause herum, das Kind treibt ihn zum Wahnsinn, er muss raus, weit weg&#8230;arbeiten.</p>
<p>Er trifft sich abends mit alten Arbeitskollegen, sie haben neue Arbeit gefunden: Trinken von morgens bis abends. Klaus ist 32, so will er nicht enden. Er sucht eine Zeitarbeitsagentur auf und wird nach Belgien vermittelt. Seine Frau ist dagegen, sie braucht keinen Mann, der sich nur alle 4 Wochen um den Sohn kümmert. Eines morgens ist sie weg. Klaus ist allein.<br />
Er reist nach Belgien, seine Fähigkeiten sind gefragt, er fühlt sich gebraucht. Im fernen Belgien verschwindet die Trauer und der Schmerz über das Ehe-Aus. Als er 5 Wochen später nach Ludwigslust fährt, ist die Wohnung leer, seine Ex-Frau hat alles mitgenommen. Die 4 Wochen Urlaub verbringt er trauend vor dem Fernseher, in der Hand eine Flasche Korn. Klaus B. träumt nachts von seiner Frau und davon, wie man sich schnell und schmerzlos umbringt. Arbeit schafft Leere. Als er wieder in Belgien ist bekommt er ein Angebot aus Österreich, es ist die Rede von viel Geld, viel Arbeit und die Möglichkeit eventuell neu im Alpenland anzufangen. Klaus überlegt und sagt zu. Aus dem fleiﬂigen Arbeiter aus Ludwigslust wird ein Fallbeispiel für die Globalisierung. Er pendelt nun ständig zwischen Deutschland und Belgien, Deutschland und Österreich und für ein halbes Jahr auch noch Deutschland und die Niederlande hin und her. Sein Zuhause ist die Autobahn, die Raststätten seine Küchen. Er kennt fast alle Autobahnstrecken auswendig.</p>
<p>Mittlerweile ist Klaus 35, das Jahr 2005 ist fast vorbei, er kann nicht mehr, er fühlt sich einsam, Nutten und Alkohol helfen da auch nicht. Silvester 2005 sitzt er mit Freunden zusammen, daheim in Ludwigslust, er sieht müde aus, seine Bekannten aus alten Tagen erkennen ihn fast nicht wieder. Mit 35 sieht er aus wie 50. Wenn graue Haare und Falten ein Indiz für Stress und Hast sind ist Klaus ein gutes Beispiel. Global heißt, weg von der gewohnten Heimat, hinein ins International Business. Klaus B. kennt nach vier Jahren Zeitarbeit Europa ziemlich gut. Der Tag, als die Sehnsucht zurückkommt schleicht langsam auf ihn zu, er hat genug, er will Heim. Die Luft ist raus, Klaus kündigt und fährt am selben Tag Richtung Heimat. Die Zeit zuhause ist wie Urlaub, er tankt Kraft und genießt die Ruhe. Nebenbei bewirbt er sich, weiter als Hamburg will er nicht.<br />
Im Sommer 2005 klingelt eines Nachmittags das Telefon. Es ist quasi der Anfang vom Ende und ein Neustart für Klaus. Globalisierung adé. Er hat die Aussicht auf einen Job in Hamburg, als Schweißer auf einer groﬂen Werft. Der Schiffsbau boomt, Klaus hat Glück. Seine ehemalige Frau sieht er selten, seinen Sohn alle 2 Wochen.</p>
<p>Sie verstehen sich, die Mutter gibt sich tolerant, Vater und Mutter halten Kontakt ohne sich näher zu kommen. Wenn man Klaus B. fragt, ob er seine Zeit als Zeitarbeiter bereue verneint er entschieden. Ehe-Aus? Single? Das alles wusste er auch vorher, das Risiko, dass eine Ehe so was aushalte sei groß. Globalisierung macht irgendwie einsam. Arbeit muss sein, Arbeit führt zu Bestätigung, Glück und Erfolg. Doch wo die Grenze zwischen Zwang und Freiheit verläuft, weiß er auch nicht.<br />
Sommer 2007, er sitzt am Strand von Warnemünde, er wirkt glücklich, überhaupt fiel dieses Wort öfter während unseren Gesprächs. Klaus steht für Globalisierung, für die Arbeit fernab der Heimat. Die Chance in Mecklenburg-Vorpommern Arbeit zu finden sei zwar gut, doch das Risiko auf vorzeitige Entlassung dafür überdurchschnittlich hoch. Heute ist Klaus 37, er hat eine schˆne Altbauwohnung in Hamburg, im Flur hängt ein Bild aus alten Tagen. Klaus sieht es an, es ist eine Mahnung, so will er nicht mehr leben. Nie wieder.</p>
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		<title>Die Ballade von Soho</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Apr 2009 07:54:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>season</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[New York]]></category>

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		<description><![CDATA[
Stadtgeschichten
von Martin Rausch
Alles nur Schein! Für Soho trifft diese Erkenntnis in doppelter Hinsicht zu. Denn so schön die Lager- und Fabrikhallen auch aussehen, mit ihren Schmuckfassaden und Backsteinbauten, hinter all dem steckt profanes Gusseisen. Aber zeigen wollte man es nie, da wo vor Hundert Jahren noch Waren produziert und verkauft wurden, Händler durch die Strassen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone" title="Soho" src="http://www.season-magazine.de/seasonmagazine/wp-content/themes/Hamasaki/Hamasaki/images/soho_nyc.jpg" alt="" width="294" height="202" /></p>
<p>Stadtgeschichten<br />
von Martin Rausch</p>
<p>Alles nur Schein! Für Soho trifft diese Erkenntnis in doppelter Hinsicht zu. Denn so schön die Lager- und Fabrikhallen auch aussehen, mit ihren Schmuckfassaden und Backsteinbauten, hinter all dem steckt profanes Gusseisen. Aber zeigen wollte man es nie, da wo vor Hundert Jahren noch Waren produziert und verkauft wurden, Händler durch die Strassen eilten und an Boutiquen noch nicht zu denken war&#8230;</p>
<p>Mitte des 19. Jhd. war Lagerraum in Manhattan gefragt und knapp, und die Cast-Iron Technik war billig und ermöglichte es, ganze Blöcke in kürzerster Zeit hochzuziehen. Aber in der Mitte des letzten Jahrhunderts verließen immer mehr Unternehmer Soho, neue, größere Fabrikhallen entstanden weiter auﬂerhalb der Stadtgrenzen und ein ganzes Viertel drohte zu verfallen.</p>
<p>Die Fassadenfarbe blätterte ab, der Müll stapelte sich an den Gebäudewänden und Feuerleitern rosteten vor sich hin. Weiter nördlich, im Greenwich Village, stiegen zur selben Zeit die Mieten des Künstlerviertels. Boutiquen entstanden und die Mieter, größtenteils Künstlerund Intellektuelle, zogen in das südliche Soho, dessen Abkürzung für South of Houston Street steht.</p>
<p>In den unzähligen Lagerhallen machten es sich die Künstler bequem, illegal, denn offiziell war es immer noch gewerblicher Raum und der durfte damals in Manhattan nicht privat genutzt werden. Die Mieter protestierten dagegen und gewannen vor Gericht. Ab da wohnten sie in ihren lichtdurchflutenten Lofts legal.</p>
<p>Langsam sprach sich das neue Viertel in der Szene herum, Fotografen bezogen Ateliers, Filmemacher hielten Castings ab und die Feuilletons der Zeitungen trugen den Namen Soho ¸ber die Grenzen New Yorks hinaus, hinaus in die ganze weite<br />
Welt. Weltbekannte Maler wie Andy Warhol, Robert Rauschenberg oder Paula Cooper zogen nach Soho. Die anderen Künstler machten es ihnen nach, ganze Blocks wurden wegen ihrer architektonischen Bauweise unter Denkmalschutz gestellt, aufwendig saniert und Soho zur Künsterhochburg deklariert. Doch es blühte dem Viertel ein ähnliches Schicksal wie Greenwich Village. Immobilienspekulanten entdeckten das hippe Viertel, kauften ganze Häuserblocks auf und erhöhten die Mieten auf wahnwitzige Unsummen. Abermals sprieﬂen Boutiquen und Restaurants aus dem Boden und Anfang der 70.ger Jahre begann die Künstlergemeinde ihr Viertel zu verlassen. Übrig blieben die teuren Läden, die vornehmen Galerienund der Hauch von Tiffanys. Soho sollte nicht das letzte Viertel bleiben, was auf diese Art und Weise zerstört wurde. Es folgten das noch südliche Tribeca, Lower East Side und andere versteckte Viertel in Manhattan.</p>
<p>Übrig blieb ein Freilandgehege für Shoppingvictims und Touristen. Fast nichts ist geblieben vom Charme einer Künstlerhochburg. Spötter sehen es schon kommen, dass über das gesamte Viertel ein Glasdach gezogen wird, damit die feinen Herrschaften auch bei Regen trocken shoppen können. Was bleibt ist der Spott der ehemaligen Mieter und eine denkmalgeschützte Architektur, umgeben vom Kommerz</p>
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